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Monday, 10 May 2010

Frühling in Oban, 2

Meine Lieben

Heute war wieder einmal strahlendes Wetter, zwar nicht besonders warm, aber immerhin. Hier die zur Zeit blühenden Blumen in meinem Blumenbandeli am Fuss des Hauses – Südseite:
Fangen wir an mit der Überraschung – eine gelbe Mohnblume, die sich selber hier eingerichtet hat:Die grünen Speerspitzen kommen später – flammend orange blühende Mombretien, auf die ich mich schon freue. Auch das nächste Bild zeigt eine Blume, die wild wächst – echtes Geranium oder grosser Storchenschnabel:Gefolgt vom Goldlack, den ich letztes Jahr als mickriges Pflänzchen gesetzt habe. Es scheint ihm zu gefallen:Die Akeleisamen habe ich aus der Schweiz mitgebracht. Nur ganz wenige haben es geschafft, aber dafür ist dieser Stock nun doch ganz ansehnlich:Schliesslich habe ich dieses Jahr anstelle eines erfrorenen Lavendels diese Pflanze gesetzt. Sie wird hoffentlich länger leben und grösser werden. Immerhin erfreut sie mich schon jetzt mit diesen tropfenden Herzen:Vom Blatt her scheinen mir die Akelei und das Tränende Herz verwandt zu sein. Stimmts?

Wednesday, 5 May 2010

Frühling in Oban

Wilder Kirschbaum in Blüte, Insel Kerrera (sprich KERrera) bei Oban, Argyll - Freitag, 30.4.2010
Meine Liebe, mein Lieber
Bei Euch in der Schweiz regnets? Hier kämpft sich die Sonne halbwegs durch die dicken Wolken -- der Himmel ist still, weil der Flugverkehr wieder Mal lahmgelegt ist, Islands Vulkan sei Dank. Wobei hier die Luftruhe nur ganz selten vom Wasserflugzeug oder von einem Rettungsheli "gestört" wird. Das Wasserflugzeug verbindet das Stadtzentrum von Glasgow mit dem Hafen von Oban, unter anderem. Jede Wasserung, jeder Start ist immer noch eine kleine Sensation.
Was ich zur Zeit durchs offene Fenster höre ist das Schlagen eines Amsels, das Rauschen des Baches am Ende des Gartens, irgendeine Maschine wie ein Staubsauger, ab und zu die Stimme eines Kindes, das Schmettern eines Buchfinks, der klagende Schrei einer Möwe oder drei oder fünf, und ganz weit weg etwas Strassenverkehr.
Die Bäume stehen in vielen verschiedenen Tönungen von hellem Grün; hie und da lugt ein hellrosa Kirschbaum neben dunkelgrünen Koniferen hervor. Überall blühen die wilden Kirschbäume.
Noch steigt aus einem Kamin ein feiner Rauch, da die Nächte doch manchmal noch ganz empfindlich kühl sind.
Doch friedlich ists und frühlingshaft, und meine Blümchen florieren – nur schade, dass Fotos (noch) nicht mit Duft verschickt werden können.
Goldlack (Wallflowers), Oban, 3. Mai 2010

Friday, 26 June 2009

Gedanken zum MoonWalk, einem Nachtmarathon der besonderen Art

Meine Lieben alle
Am vergangenen Wochenende (20./21. Juni 2009) habe ich in Edinburgh den MoonWalk erwandert. Das ist ein Nachtmarsch in Marathon-Länge, der alljährlich als Fundraiser für Brustkrebsforschung durchgeführt wird, dieses Jahr immerhin schon zum fünften Mal! Mehr dazu auf der MoonWalk Website.
Ich legte die 26,2 Meilen oder 42.195 km in einer Zeit von ca. 8 1/2 Stunden zurück. Die ersten 16 Meilen waren ok, die letzten 10,2 Meilen allerdings schon eine ziemliche Qual, weil meine Füsse trotz gut durchlüfteter Sandalen (!) Blasen warfen. Ich kann jetzt gut nachfühlen, wie es seinerzeit meinem Vater ergangen ist, als er als gemeiner Füsilier seine Monstermärsche für die Schweizer Armee absolvieren musste. Ich hatte wenigstens die Wahl, was für Fusswerk ich tragen wollte. Und keinen schweren Rucksack zu schleppen, sondern bloss ein wenig Proviant, mein Bauchtäschchen, eine Flasche Getränk und meine Kamera.
Trotz der Blasen war der MoonWalk ein eindrückliches Erlebnis. Ich bin recht stolz, dass ich das geschafft habe.
Die Stimmung war überaus eindrücklich; die ganze Nacht lang standen immer wieder Menschen am Wegesrand und haben uns ermuntert. Wir wurden gut versorgt mit Getränken (nur Wasser, aber immerhin), und ab ca 5 Uhr gab es auch Orangenschnitze und halbe Bananen zum schnell was Frisches essen. Ich hatte zwei Äpfel und zwei Müeslistengel vom Migros dabei, das hat gut gereicht. Am Abend vorher habe ich mich an Gemüserisotto satt gegessen, das während des Vorfests mit feiner Swingmusik aus den 1940er und 1950er Jahren im grossen rosa Zelt angeboten wurde.
Trotz allem werde ich wohl kaum mehr so einen Marsch unternehmen: der Rummel war zwar witzig, aber es war stressig, in der Menge zu gehen, und ich fühlte mich unter Druck, mein Team ja nicht warten zu lassen. Das hat dann trotzdem nicht so ganz geklappt, weil ich am Schluss noch meine Kamera suchen musste, die mir unterwegs abhanden gekommen war. Immerhin habe ich sie wieder gefunden -- den hilfreichen Menschen in grell gelben und orangen Blusen sei ein riesiger Dank -- und kann somit auch diese Bilder hier einstellen.
Gleich beim Eingang in die Aufenthaltszone empfängt uns eine fantasievolle schottisch-karibisch-südamerikanische Perkussionsband -- lauter Frauen in weisser Hose und Kilt namens Commotion. Der Sound war fantastisch und die Rhythmen stimmten mich voll auf locker-luftig ein.
So werden wir in ca. 3 Stunden losmarschieren. Weils um Brustkrebsforschung geht, nehmen die meisten Marschteilnehmenden im reich dekorierten BH teil, auch die Männer.
Eine kleine Gruppe mit neckisch dekorierten BHs. Ich vermute, das war eine Mutter mit ihren jungen Töchtern.
Ca. 23Uhr draussen vor dem grossen rosa Zelt. Die "Mondlampen" waren da noch fast überflüssig.
Jetzt geht es dann gleich los (denkste, es dauerte noch mindestens zwanzig Minuten, bis wir über die Startlinie johlten. Von Oban waren rund 30 Frauen dort.
Ca eine Stunde nach Abmarsch, also etwa 01:30, in einer Strasse im Zentrum von Edinburgh.
Das war mein letztes Bild vom Marsch, für das ich Zeit hatte. Beim Musikstand für die halbe Strecke stellte ich fest, dass ich irgendwo vorher im Getümmel meine Kamera verloren hatte. Es war ein Höhepunkt und gleichzeitig ein Tiefpunkt: mein Team hatte ich verloren, mein Mobiltelefon war kaputt (es ist inzwischen wieder geflickt, ein robustes, mindestens 8-jähriges Ding), und meine Kamera war weg. Dabei war dort am Firth of Forth der Blick vom Silverknowes Golf Course aus überaus reizvoll. Der Himmel war schon am Aufhellen, es war klar, dass wir einen wunderschönen Tag erwischt hatten.
Nun ja, es ist ja dann alles gut herausgekommen, und es ist ganz gut, gegen Widerstände zu kämpfen und sich nicht unterkriegen zu lassen.
Das énergie Team nach Ankunft in Oban am Sonntag, ca 14 Uhr. Wir tragen alle die Medaille, die es gab für die, die den ganzen Marsch zurück gelegt hatten.
Stilleben mit dekoriertem BH, Weltraumdecke, Medaille, MoonWalk-Hut und Läuferinnen-Nummer.

Friday, 13 March 2009

Gedanken zum Leben und Älterwerden, Singen und Gärtnern

Guten Tag

Hier kümmere ich mich u.a. mit viel Befriedigung um eine alte Dame, deren Angehörige eine halbe Tagesreise oder weiter entfernt leben. Sie ist fast 91-jährig und ihre alten FreundInnen sind halt auch nicht mehr im Stande, Hilfe zu leisten, wie sie es nötig hätte.

Jetzt ist sie ins Altersheim eingetreten und tut sich schwer damit. Ich kann ihr so gut nachfühlen und wünschte mir fast, ich hätte ein Haus mit dem Platz und der Infrastruktur, um mich selber ganz um sie zu kümmern. Doch das sind ja wohl Träume. Alleine käme ich ja auch nicht über die Runden, denn sie ist mehr und mehr verwirrt und verwechselt Tag und Nacht. Dazwischen aber hat sie lange, luzide Momente, und dann sind gute Gespräche noch möglich. Wie lange wohl noch? Sie ist sehr stark abgemagert in den letzten Monaten und hat die durchsichtige Haut der ganz alten Menschen. Ich habe sie sehr lieb gewonnen, seit ich sie letzten Juni zum ersten Mal gesehen habe.

Weiter erteile ich ein Mal pro Woche mit einer hiesigen Kollegin zusammen Englischunterricht für MigrantInnen (Teil eines Integrationsprogramms, das die lokale Behörde finanziert) für bis zu 15 Menschen aus fast allen Erdteilen und kulturellen Kontexten. Etwa halb und halb kommen sie aus dem europäischen Osten (Ungarn, Polen, Tschechien usw.) sowie aus Asien (Bangladesch, Thailand, China). Ab und zu schaut einE WesteuropäerIn herein. Die Leute sind vorwiegend in Hotels angestellt und arbeiten sehr unregelmässig. Der Unterricht richtet sich nach ihren Fähigkeiten, und wir teilen die Klasse meistens auf. Es ist spannend, aber auch anstrengend.

Im Garten fängt es jetzt auch wieder an, Spass zu machen. Ich habe gejätet und gestutzt. Und jenseits vom Maschendrahtzaun entsteht langsam, aber sicher ein Gemeinschaftsgarten. Letzten Sommer blühten dort alle Unkräuter, und die NachbarInnen haben jahrelang ihren Unrat dort entsorgt, mindestens den Grasschnitt, aber auch sonst viel Ghüder. Zudem bringen regelmässige Fluten auch ihre "Gaben". Vor knapp zwei Wochen haben wir zu fünft die Oberfläche von Plasticunrat und Glasscherben befreit. Jetzt ist einer meiner Nachbarn daran, etwas tiefer zu graben. Da das Geld nicht grad auf der Strasse liegt, wollen wir schon Mal ein paar Beete anlegen und wohl auch einen Kompost. Gemüse gibts in Anbetracht der Verunreinigungen im Boden wohl nicht sofort, aber für Blumen sollte es allemal reichen. Ich will Ringelblumen säen und Kapuzinerli.

Dann singe ich in zwei Chören mit. Im Mai führen wir im Oban Bach Choir den Elias von Mendelssohn auf. Und im Oktober solls mit dem Oban Gaelic Choir Preise regnen, wenn wir mit vielen anderen Chören um die Wette singen am Mod, dem grossen traditionellen Festival, das heuer in Oban stattfindet.

Der Frühling kommt auch langsam, und die Nächte sind schon ganz mild, so dass ich die Heizdecke weggesteckt und die Fenster offen habe. Im Garten blühen ein paar kleine Osterglocken und winzige blaue Hyazinthenglöckchen (sogenannte bluebells), nebst den Gänseblümchen im Rasen. Andernorts blühen die Rhododendren in aller Pracht, und gestern sind die ersten hellrosa Kirschen aufgeblüht. Diese Bäume sehen ganz festlich aus!